Sterne und die LTI

Im Jahr 1946 schrieb ein Dresdner Professor die erste Kritik an der Lingua Tertii Imperii, der Sprache des Dritten Reiches. Der Philologe Victor Klemperer hatte als Jude den Krieg in Dresden glücklicherweise überlebt. Damit war er nicht der Einzige, aber einer unter sehr wenigen. Das ausgerechnet der Feuersturm über Dresden im Februar 1945 es dem Ehepaar Klemperer ermöglichte, sich den gelben Stern von der Kleidung zu reißen, sollte doppelt mahnen und nachdenklich machen.

LTI-Corona

 

Vor allem jene, die diesen unsäglichen Vergleich für angebracht halten, der durch die Aufschrift des Sterns auf diesem Bild dokumentiert ist.

Gerade Träger dieses Sterns, als in diesem noch das Wort JUDE stand, wurden diversen medizinischen Impf- und Serumversuchen unterzogen und wenn sie nicht dabei starben, dann anschließend in den Gaskammern, inzwischen zu schwach um noch arbeiten zu können.

Das Tragen des „Dresdner Sterns“, und mich schüttelt es, dies zu schreiben, impliziert einen Vergleich der Diskussion um zukünftigen Impfschutz als Anlass der Corona-Pandemie mit den Versuchen von Mengele & Co. Erschütternd auch, dass ich dies in Kreisen meiner Bekanntschaft fand.

Es erübrigt sich an sich, hier die rechtmäßige, auch in einer friedlichen Versammlung unter freiem Himmel (für alle Deutschen! – Bürgerrecht nach Artikel 8 GG) sachliche Diskussion um flächendeckende Impfungen gegen Covid-19 und Gründe für deren Ablehnung durch Teile der Bevölkerung zu erwähnen. Die das Recht dazu allerdings mit Füßen treten, wenn sie die körperliche Unversehrtheit anderer (Art. 2 Abs. 2 GG) gefährden durch Erhöhung von Ansteckungsfaktoren, wie auch immer die genannt werden. Damit stehen sich Art 2 Abs 2 und Art. 8 gegenüber worin sie ihre Schranken finden, woran auch die Polizeifestigkeit des Artikels 8 nichts ändert.

Und doch sind es Teile dieser Dresdner Bevölkerung, die nun das vor wenigen Wochen noch als verantwortungsvoll angesehene Handeln der deutschen Regierung zur Eindämmung der Corona-Krise gleichsetzt mit denen, die beginnend mit den Rassegesetzen 1935, dem Pogrom am 09.11.38, genannt Reichskristallnacht, und der Wannseekonferenz 1942 dann in nur drei Jahren und vier Monaten eine beispiellose Vernichtungskampagne lostraten, die ihresgleichen in der Weltgeschichte nicht findet.

Man lese:

§ 90a StGB
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3)

1. die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht oder
2. die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder verunglimpft,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Die Regierung ist Verfassungsorgan und somit Teil der verfassungsmäßigen Ordnung. (Und morgen schaue ich in Fischers Strafrechtskommentar). Punkt.

Mir scheint, dass dieses Verhalten, nicht so weit weg ist von dieser strafrechtlichen Norm, die ich denen entgegen halten will, die meinen, dass folgende Norm in ihrem vierten Absatz die Grundlage bildet für WIDERSTANDSGESCHREI! im Schulterschluss mit Extremen beider Lager.

Artikel 20 GG
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Man nennt das auch FDGO – Freiheitlich demokratische Grundordnung. Glaubt man hier, die Bundesregierung wolle diese Ordnung beseitigen? Richtet den Widerstand gegen die Extremisten beider Lager, für die trifft das nämlich zu.

Es hilft nicht, das GG vor sich herzutragen. Kleiner Tipp. Man suche sich die Norm, um die es einem geht, und trage die vor sich her. Dazu reicht es manchmal immer noch nicht, das Heftchen nur zu lesen, so einfach ist Staats. und Verfassungsrecht dann doch nicht. Da es aber seit 1990 in Dresdner Schulen Unterrichtsgegenstand ist, könnte sich ja Diese oder Jener daran erinnern.

Oder man im“pf“ormiere sich beim BA für PB über die Wirkungen der Grundrechte und was die Artikel 19 und 20 bedeuten und bewirken. Sofern man dieses nicht für das Establishment schlecht hin hält, gegen das man WIIIDERSATAND! gerade für geboten hält. Aber dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren von Links Extrem bis Extrem Rechts und diese sterntragenden Leute dazwischen.

Ich bitte alle meine Freundinnen, Freunde, Kolleginnen und Kollegen und Bekannte, die sich diesen Dingen momentan nicht so richtig anschließen können, zumindest darüber nachzudenken.

© Der Bücherjunge

 

Damals im Roten Kakadu

von Rolf Bergmann

Der rote Kakadu: Die Tanzbar im Parkhotel WEISSER HIRSCH auf dem Weißen Hirsch in Dresden.

Jahrzehnte berühmt und Treffpunkt der Dresdner Jugend.

Im Jahr 2005 erscheint der Roman von Rolf  BERGMANN; im Jahr 1942 in Dresden geboren und dort wieder lebend seit 2006. Der Rote Kakadu ist Sinnbild der „aufmüpfigen Jugend“ geworden.

Es geht um „Jazz und Rock’n’Roll liefern die Energie, um Widerstand zu leisten und der Bevormundung durch Elternhaus, Schule, FDJ und Politik zu trotzen. Hans Brettschneider alias Johnny kämpft um Bruni, und das Abitur will auch bestanden sein. Obendrein hat Freund Achim tollkühne Pläne …“ (amazon)

Der hier vorliegende Roman handelt im Frühjahr 1961, kurz vor dem Bau der Mauer. Der Autor selbst verließ die DDR ebenso wie Hans Brettschneider alias Johnny.

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Statt Theater ein Theaterbuch

Genauer gesagt, ein Operettenbuch. Oder noch besser, ein Buch über die Operette. Die Staatsoperette Dresden. Letztens erst gab es dort FOLLIES, wovon ich hier bereits berichtete. Aber auch die Dreigroschenoper wurde hier schon erwähnt.

Nun gerade spielt sich nichts ab mit diesem oder jenem Theaterbesuch, denn nur eine gewisse Frau Corona ist zu Besuch in Dresdner Theatern. Von der Operette ist zu hören, dass da zumindest noch geprobt wird, vielleicht hat die Spielpause nach dem Flop letztens (Die Banditen – Jaques Offenbach)  auch was Gutes.  Mit weiterem Insiderwissen werde ich hier nicht prahlen, zumal ich die Premiere auch nicht selbst gesehen habe.

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Ein Literaturnetz in Dresden

Dresden ist eine kulturverliebte, auch eine darin selbstverliebte Stadt. Das schließt literaturverliebte Bürger ein. Nur, wie kommen diese bibliophilen Dresdnerinnen und Dresdner an Informationen zu den diversen Literaturveranstaltungen? Seit kurzem gibt es etwas Neues. Die schnörkellose Webseite, die das beabsichtigte Netzwerk schon im Namen hat:

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Follies – Torheiten

LogoBC3BCcherjungeSaalDer Bücherjunge war mal wieder im Theater. Genauer, er war in der Staatsoperette Dresden. Die neue Intendantin hatte vor einiger Zeit geäußert, dass der „Broadway“ Einzug halten soll auf die Bühne des neuesten Musiktheaters der Landeshauptstadt. Broadway? Der Laie, also so einer wie ich, dem fällt da vielleicht CHORUS LINE ein. Oder Stücke wie CHICAGO und CABARET. Man hat auch andere Musik im Ohr, als bei hierzulande „herkömmlicher“ Operette oder Musical.

FOLLIES – Glanz und Schatten der Revue

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