Ute Lemper trifft Marlene Dietrich

Ein besonderes Konzert, finde ich, bot sich dem Dresdner Publikum gestern im neuen Ostradome im Messegelände Dresden. Ein Weltstar hat ein Rendezvous mit einem Weltstar. Ute Lemper trifft Marlene Dietrich. Nach dreißig Jahren, so erzählt Ute Lemper am Ende des außergewöhnlichen Konzertes, „traut“ sie sich nun, als „Marlene“ aufzutreten und ihrem Publikum zu erzählen, was Marlene Dietrich ihr im Jahre 1987 am Telefon in Paris in drei Stunden enthüllte. Damals war Ute Lemper 24 Jahre alt und man schrieb von ihr als der „neuen Marlene“ in Paris. Das Programmheft führt zu diesem Konzert aus:

Diese Hommage wird zu einer musikalischen Zeitreise und persönlichen Erzählung über zwei beeindruckende Frauen und ihre Geschichten.

Ute_Marlene

Erinnerungen werden wach: Sag mir wo die Blumen sindDie Antwort weiß ganz allen der WindIch bin die freche LolaIch bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestelltLili MarleenRuins of Berlin – Just a Gigolo: Und Ute / Marlene erzählt aus dem Leben einer Diva.

Excellente Musiker und eine Stimme, die Gänsehaut erzeugen kann. Da stimmt jeder Ton und jede Bewegung der Künstlerin, die neben Gesang auch Tanz und Schauspiel studierte. Paris – London – New York (wo sie lebt) sind die Stationen ihrer Weltkarriere, in der Ute Lemper sicher überall „zu Hause“ ist. Mit der Rolle der Sally Bowles aus „Cabaret“ schaffte sie in Paris den schnellen Sprung in die Solokarriere. Diese ähnelte ein wenig einer Achterbahnfahrt, was die Sängerin heute natürlich gelassen sieht. (Programmheft)

Marlene: Der Star, der in die USA geht, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft bekommt und dann in Uniform der US-Armee an der Front die Soldaten begeistert mit ihren Aufführungen und im nationalsozialistischen Deutschland als Verräterin gebrandmarkt wird, ein Zustand, der auch Ende des Krieges noch nicht vorbei ist.

Ute Lemper erzählt die Geschichte der Anerkennung, der Ablehnung, davon, wie man in Berlin eine Straße nach ihr, Marlene Dietrich, benennen will und die Bewohner das ablehnen. Sie erzählt vom ersten Konzert nach dem Krieg 1962 in Deutschland und vielem mehr. Es ist damit auch eine politische Geschichte, wenn Marlene von den emigrierten jüdischen Kollegen erzählt, da in Amerika. Vor allem ist es auch ein Schrei nach Frieden.

 

Ute Lempert plaudert: Sie spielt die große Marlene Dietrich, die am Telefon erzählt, die Bilder vermischen sich, manchmal weiß man gar nicht, welche der beiden Frauen gerade spricht. Ute / Marlene erzählt so auch davon, wie die Dietrich auf der UNICEF Gala 1962 nach dem Lied keine anderes mehr singen wollte (Video). Oder von dem Buch, welches die enttäuschte Tochter unmittelbar nach dem Tod der Mutter veröffentlichte und das die junge Ute Lemper lieber nicht lesen sollte. Und so vieles mehr…

* * *

Einem Programm von Ute Lemper zu folgen ist nicht immer einfach. Sie vertonte Lieder nach Paulo Coelho´s DIE SCHRIFTEN VON ACCRA – 9 GEHEIMNISSE aber auch Gedichte von Pablo Neruda. So etwas sollte man kennen, bevor man in ein Konzert von ihr geht. Trotz absoluter Nichtkenntnis, konnte ich vor einigen Jahren die Musik des Coelho-Programms auf mich wirken lassen und ärgerte mich gleichzeitig darüber, mich nicht ordentlich belesen zu haben. Wieviel einfacher war das dann doch mit RENDEZVOUS WITH MARLENE. Die CD wird dabei helfen, Erinnerungen wach zu halten.

* * *

Bereits vor zwei Jahren beeindruckte Ute Lemper während der Jazztage das als kritisch und anspruchsvoll geltende Dresdner Publikum und auch für nächstes Jahr ist der Vertrag bereits unterschrieben. Schauen wir noch einmal mit YouTube´s Hilfe zurück.

 

* * *

 

Bildergebnis für Ostradome Dresden
Quelle: Jazztage 2019

Dresden hat einen neuen Kulturtempel. Den Ostra-Dome. Nicht nur die Jazztage werden da ihre Heimat finden. Die Ostra-Studios für kleinere Konzertvarianten zählen auch dazu. Es ensteht eine große und reizvolle Eventlandschaft auf 15000 Quadratmetern mit Grün- und Wasserlandschaften. Das Areal befindet sich im Ostragehege neben dem Erlweinschen Schlachthof. Viele der Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Dresden baut nun, nachdem sich so mancher Dresdner mit der Umbau des Kulturpalastes ausgesöhnt hat, nach dem Neubau der Operette und des TjG im Kulturkraftwerk Mitte an Spiel- und Konzertstätten, mit Hilfe entsprechender Investoren seine Kulturlandschaft aus. Gefällt mir.

© Bücherjunge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s