Wenn man zu viel und zu gerne liest (und googelt)…

Ein Video auf Facebook. Ein Typ mit Gitarre: Der mir unbekannte Sänger , bezeichnender Weise nennt er sich Thomas Lautenknecht, widmet ein Lied einer gemeinsamen Bekannten, der Verlegerin Katharina Salomo von Salomo Publishing, Mitbegründerin von Shakespeares Enkeln. Das Lied passt zu mir, der Hintergrund, daher der Hinweis auf  „googeln“, ist ernst und interessant, bringt Unbekanntes nahe und Bekanntes in die Erinnerung zurück…

Das Lied, welches irgendwie von mir handeln könnte, ist von Theodor Kramer (1887 bis 1968) Kenn ich nicht. Es klingt ein wenig wie Grönemeyer oder Zupfgeigenhansel.  Das Folk-Duo, mir bekannt seit jugendlichen Singetagen und Singestunden, hatte dann tatsächlich seit 1970 großen Anteil an der Wiederentdeckung des Dichters, liest man bei wikipedia.  Den Anstoß gab ein gewisser Hans-Eckardt Wenzel, der ebenfalls Gedichte vertonte auf mehreren Alben.

Kramer, österreicher Sozialdemokrat aus einer jüdischen Familie, musste mit seiner Frau 1939 emigrieren, er wurde dann britischer Staatsangehöriger, erst 1957 zog er wieder nach Wien.

12000 Gedichte soll er geschrieben haben, 2000 davon sollen veröffentlicht worden sein. Es sind meist Heimatlieder, die sich mit den kleinen Leuten aber auch mit der damals schon erkannten Umweltzerstörung beschäftigten. Natürlich fand auch die Verfolgung und seine darauf beruhende (psychische) Erkrankung Eingang in das Schaffen.

Thomas Mann nannte ihn „einen der größten Dichter der jüngeren Generation“. (siehe wikipedia)

Ich habe zu viel und zu gerne gelesen

Ich habe zu viel und zu gerne gelesen,
ich hab mich bewegt wie auf ebener Bahn,
ich bin all die Jahre zu sicher gewesen,
ich habe mein Lebtag zu wenig getan.

Ich bin viel zu selten ins Grüne gegangen,
ich habe bei Schmerzen zu viel oft gestöhnt,
ich habe zu sehr an den Dingen gehangen,
ich hab mich zu sehr an mein Tagwerk gewöhnt.

Ich hab mich zu viel in Gedanken betrachtet,
ich habe die Worte zu wenig gesiebt,
ich habe die andern zu wenig beachtet,
ich hab meine Freunde zu wenig geliebt.

Ich bin ja auch stets viel zu offen gewesen,
ich habe zuwenig an später gedacht,
ich habe gelebt wie ein eigenes Wesen,
ich hab es am Ende so schlecht nicht gemacht,
ich hab es am Ende so schlecht nicht gemacht.

Theodor Kramer: 1887 . 1958)

 

 

Lieder von Zupfgeigenhansel nach Texten von Theodor Kramer

 

© Bücherjunge,  der Thomas Lautenknecht für diese Inspiration dankt und gleichzeitig Katharina grüßt.

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